Unter der Drachenwand

Rezension „Unter der Drachenwand“ von Arno Geiger

„Unter der Drachenwand“ ist ein Roman von Arno Geiger, das Hörbuch erschien 2018 im Hanser Verlag. 

Überlebt, jedoch nur zur Seite geschleudert, das sind die Gedanken Veits, einem 24-jährigen Soldaten, als er 1944 im Kriegsgeschehen in Russland, verletzt wird.

Mit der langen Reise in das Lazarett, steigert sich seine Niedergeschlagenheit. Das Heimkommen hat er sich in Russland so gut vorstellen können, nun aber muss er sich zuhause, in Wien, Vaters hirnverbrannten Ideen stellen. 

Er flieht nach Mondsee, wo aus seinem mehrmonatigen Genesungsurlaub ein Aufenthalt von einem Jahr wird. Durch Tagebucheintragungen erzählt er von den Menschen, die er in diesem Jahr kennen lernt, wie sich ihre Leben miteinander verweben. Veit lebt in der Unsicherheit, wieder in den verhassten Krieg zu müssen. Vielleicht deswegen, oder trotzdem, verliebt er sich in eine verheiratete Frau, deren Mann an der Front ist. 

Arno Geiger sagt in einem Interview, er habe einen Liebesroman geschrieben. Ich lese aus diesem Roman, dass Menschen, die anders denken und sogar wagen es zu sagen, es nicht nur zu dieser Zeit schwer hatten. Nicht nur der Krieg bringt den Menschen großes Unglück. Die Menschen selbst, mit ihrer Verbohrtheit, Ignoranz, dem Festhalten an sinnlosen gesellschaftlichen Normen, stürzen einander ins Unglück, sogar bis zum Tod. Was der Krieg nicht schafft, tut man einander an. 

Der Roman basiert auf Veits Tagebuch und auf Briefen, die Verwandten und Freunden geschrieben werden. Aus diesen Briefen geht Information mit viel Gefühl über den Alltag hervor. 

Arno Geiger arbeitet mit Vergleichen, die nicht nur dieses Buch zu etwas Besonderem machen. Ich genieße beim Lesen all seiner Bücher, die Art und Weise, wie er erzählt. Und das möchte ich mit folgendem Vergleich, den er im Roman „Unter der Drachenwand“ anstellt, zum Ausdruck bringen. 

Er sieht die Kindheit wie ein Stück Holz mit Nägeln. Die guten sind jene, die so eingeschlagen werden, dass man daran etwas aufhängen kann. Die schlechten werden ins Holz gedroschen, wie es sein Vater tat. Standhaftigkeit und Konsequenz! Was die Familie anfängt an der Zerstörung der Persönlichkeit, der Krieg setzt es fort. 

Wer einen Liebesroman mit etwas Krieg im Hintergrund erwartet, sollte dieses Buch nicht lesen. Wer in diese Zeit, mit diesen Menschen, die teilweise real sind, tief eintauchen möchte, der sollte dieses Buch lesen und sich gefasst machen auf viel Informationen über das Jahr 1944, gepaart mit Emotionen. 

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