Was ist der Mensch?

Rezension „Was ist der Mensch?“

Ein guter Lehrmeister, dieser Autor, Eric Kandel, und dieses Buch. Vielleicht versteht er es deshalb, sein Wissen derart interessant und verständlich wiederzugeben, weil er außer Geschichte und Medizin auch Literatur studiert hat. Er ist Psychiater, besitzt ein gutes Allgemeinwissen, scheint ein vielseitig interessierter Mann zu sein, auch sein Interesse an Kunst ist in seinen Texten erkennbar. Ach ja, er ist auch Nobelpreisträger für Medizin.  

Dieses Buch erschien im Oktober 2018 im Siedler Verlag und ist auch als E-Book erhältlich.

Was von diesem Buch zu erwarten ist:

Am Anfang jedes Kapitels werden Leser und Leserin durch den Bezug zum eigenen „Ich“ neugierig gemacht. Eric Kandel stellt uns indirekt die Frage, inwieweit das, was in dem betreffenden Kapitel behandelt wird, uns selbst und unsere Mitmenschen betrifft. Der Autor informiert darüber, was wir aus diesem Kapitel lernen können. 

Das Wissen:

Mit Geschichten aus dem Leben, Erlebnissen von realen Personen, will der Psychiater Lebensbezug herstellen und macht klar, wie geforscht, behandelt und prophylaktisch gehandelt wird. Anhand von Menschen, bei denen eine „Störung“, ein Problem, bemerkt wurde, zeigt er auf, welche Erkenntnisse gewonnen wurden, welche Untersuchungen gemacht wurden und warum die Forscher so arbeiten. 

Niemals sind seine Wiederholungen (Die für die Festigung des Wissens wichtig sind) langweilig. Er formuliert sie so, dass die Erinnerung an vorhergehende Erklärungen auftaucht und Zusammenhänge geknüpft werden können. Nun ja, er weiß ja, wie er unser Gehirn behandeln muss, damit es erfolgreich arbeiten kann.

Wer es genau wissen will, vertieft sich in die gut erklärten, wissenschaftlichen Berichte des Forschers. 

Wie geht es weiter?

Jedes Kapitel endet mit der Frage, wie es weitergehe. Was lernen wir, was lernen die Wissenschaftler daraus, wie werden die gewonnen Erkenntnisse angewendet oder wie könnten sie angewendet werden? 

Eric Kandel scheut auch nicht vor dem Geständnis zurück, dass vieles noch nicht erforscht, vieles, das erforscht wurde, nicht oder noch nicht angewendet werden kann. Kurz und gut, er klärt uns in bester Art und Weise darüber auf, wo die Gehirnforschung derzeit angelangt ist. 

Einige konkrete Informationen Kandels:

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Prozesse in unserem Gehirn den Geist entstehen lässt. Nicht so wie Descartes, der die Ansicht vertrat, dass Geist und Gehirn voneinander unabhängig seien. Jetzt geht man auf biologische Weise an den Geist heran.

Unser Gehirn konstruiert die Wahrnehmung der Außenwelt, es erzeugt Erlebnisse, steuert Tätigkeiten. Das Gehirn konstruiert unsere Realität, die Informationen dafür liefern die Sinne. Wenn es dazu kommt, dass diese Prozesse durcheinandergeraten, führt dies zu Krankheiten. Die Wissenschaftler versuchen zu verstehen, warum Prozesse fehlgeleitet werden. Auf diese Weise können sie die Funktionsweise des Gehirns verstehen. 

Der Autor erklärt uns die Entstehung der Psychiatrie, woher Areale im Gehirn ihren Namen haben. Es wird schnell klar, was wir einzelnen Menschen, die der „Sache“ auf den Grund gehen wollten, zu verdanken haben und dass das, was in einem Menschenleben begonnen, aber nicht vollendet werden konnte, der Grundstein für die weitere Forschung war und ist.

Eric Kandel erzählt uns vom Gehirn als Wunder der Rechenkunst, eine Rechenmaschine, in der elektrische Schaltkreise unsere Wahrnehmungen, Empfindungen, Bewusstsein erzeugen. So wird durch seine Erläuterungen verständlich, warum und auf welche Weise Medikamente unser Gehirn umbauen können und so bei Depressionen oder anderen Problemen helfen können.  Dass diese Medikamente leider nicht immer und nicht bei jedem Menschen ihre erwünschte Wirkung zeigen verschweigt der Mediziner nicht. Auch nicht, dass die Wissenschaftler bisher noch nicht herausgefunden haben, warum das so ist. 

Er weiß zu lehren und den Leser/die Leserin bei der Stange zu halten. Indem er einige (eher bekannte) Krankheiten, wie Autismus, bipolare Störung, Depression, Schizophrenie, Demenz, Parkinson und Huntington beschreibt, zeigt er dem Laien/der Laiin, wie Forschung funktioniert (und manchmal auch nicht). 

Eric Kandel weitet seine Berichte aus, stets gezielt, er schweift nicht aus und bietet dem Leser/der Leserin immer die Möglichkeit, dieses Buch zu lesen und zu verstehen, ohne sich in seine genauen, hochinteressanten, Details vertiefen zu müssen. Dieses Buch bietet für Neugierige und Interessierte eine sehr gute Wissensbasis, Möglichkeiten zur Vertiefung und ist natürlich auch ein spannendes Nachschlagewerk. 

Und wie geht es nun im Gehirn des Lesers/der Leserin weiter?

Eric Kandel hat ein Lehrwerk geschaffen, das nicht nur lehrende Personen kennen sollten. Seine Informationen haben mit jedem von uns zu tun und er teilt sie uns in gehirngerechter Art und Weise mit. Geschaffen, um das neue Wissen anzuwenden oder einfach im Hinterkopf zu behalten, um das Allgemeinwissen aufzupeppen. 

https://gsiema.blog/leseprobe-was-ist-der-mensch/

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