G.Siema&Flow

„Dort drüben“, sagte er. Mein Blick folgte seinem ausgestreckten Arm. Genau so schön wie alt, dachte ich mir, als ich die beiden Gebäude sah. Dass die beiden einander brauchten, war sonnenklar. Sie waren im Laufe der Zeit immer näher zueinander gewachsen. Vielleicht lehnte sich der Stall noch näher an das Wohngebäude, als umgekehrt. Viel zu weit oben, viel zu weit weg. Hier war die Bewirtschaftung sicher unvorstellbar mühsam gewesen. Dennoch lebten hier Menschen, vor gar nicht so langer Zeit. Wären wir vor 70 Jahren hier vorbeigegangen, hätten wir die Kühe auf der Weide und die Menschen arbeiten sehen können. Jetzt aber war dieser Ort zu einem romantischen Plätzchen geworden. Wir ließen uns in der angenehmen Kühle nieder, gleich auf den Stufen aus Stein. Flow, so wollte er genannt werden, richtete den Jausenplatz her. Als ich mir eben eine kirschrote Tomate in den Mund schob, meinte Flow: „Warum versuchen wir es nicht einfach?“ Die süße Tomate platzte in meinem Mund und ich schaute ihn mit vollen Backen und runden Augen an. „Du schreibst, die Geschichten liegen in deiner Schublade, ich wollte immer schon für gute Bücher die Cover kreieren.“ Ich schluckte und nickte. „Erzähl mir von dem Knopfbock, auf den du zwei Wochen angesessen bist“, bat ich, während ich nach der nächsten Tomate griff.

14 Tage im Honigmonat

Das war die Geburt meiner ersten Kurzgeschichte. Die Pechmarie ruhte noch in der Schublade. https://www.facebook.com/Texte-zum-Denken-391196834790526/posts/

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close